Am Wochenende vom 13. bis 15. März kamen auf Einladung des Schlossvereins wieder zahlreiche Besucherinnen und Besucher auf Schloss Horneck zusammen, um Gemeinschaft zu pflegen und ein vielfältiges Kulturprogramm zu erleben.
An diesem Kulturwochenende auf Schloss Horneck unter dem Motto „Bühne der Generationen“ will ich unbedingt teilnehmen. Also starte ich kurzerhand einen Aufruf in unseren WhatsApp-Gruppen und suche nach weiteren Interessenten. Meine Freundin Angelika, ohne siebenbürgische Wurzeln, sagt spontan zu. Ich freue mich besonders, ihr ein Stück unserer Kultur und Geschichte näherbringen zu können. Schon während der Anreise mit der Bahn wächst die Vorfreude auf drei erlebnisreiche Tage und die Erwartung, erneut von der Kreativität der Organisatoren überrascht zu werden.
Heidi Mößner, Vorsitzende des Siebenbürgischen Kulturzentrums Schloss Horneck, begrüßt in ihrer Eröffnungsansprache am Freitagabend alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, herzlich und gibt einen Ausblick auf das außergewöhnliche Programm. Anschließend überbringt Dr. Radu Nebert, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen (DSDS), eine Grußbotschaft.
Über das Wochenende sind folgende Ehrengäste auf Schloss Horneck zu Gast: Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch und Helge Krempels, Ehrenvorsitzende des Schlossvereins, Heidrun Negura, Dr. Axel Froese und Werner Gohn-Kreuz, Ehrenmitglieder des Schlossvereins, Thomas Schneider, Vorsitzender des HOG-Verbandes, Alfred Mrass, Ehrenvorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberg, Ramona Linz, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Hessen, Dr. Radu Nebert, Vorsitzender des DSDS, Architekt Peter Schell, Gwendoline Roth, stellvertretende Vorsitzende der Carl Wolf Gesellschaft, Heinz Hugo Lahni, European Committee of Regions, Anton Zuber von der Heilbronner Stimme und weitere Amtsträger die sich in vielfältiger Weise ehrenamtlich für die siebenbürgische Gemeinschaft einsetzen.

Dr. Radu Nebert, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen,
überbringt eine Grußbotschaft an die Teilnehmer des KulturWochenendes. Foto: Volker Plattner
Kurzfilm, Ausstellungseröffnung und eine Familienband
Gleich zu Beginn wird der mehrfach prämierte Kurzfilm „Portrait meiner Großmutter“ gezeigt – ein leiser, eindringlicher Film, der weit über ein persönliches Porträt hinausgeht. Er fängt die beklemmende Atmosphäre einer Freundschaft in Zeiten der kommunistischen Diktatur in Rumänien ein, geprägt von Unsicherheit, Angst und der allgegenwärtigen Möglichkeit des Verrats. Ohne große Worte entfaltet er eine eindrucksvolle emotionale Kraft und lässt einiges nachhallen, was für viele Siebenbürger Sachsen ein Teil der eigenen Vergangenheit ist. Die junge Regisseurin Anna Maria Caciauna schafft es, dieses Thema auch für die jüngere Generation zugänglich zu machen. Im anschließenden, von Franziska Fleischer geführten Gespräch mit ihr und der Schauspielerin Sheila Spielhofer wird deutlich, wie sehr das Team die Dreharbeiten in Hermannstadt geschätzt hat und gerne noch einmal Siebenbürgen besuchen möchte.

Interessiert folgt das Publikum der Filmvorführung. Regisseurin Ana Maria Caciauna (links) und die Schauspielerin Sheila Spielhofer (rechts) im Gespräch mit Franziska Fleischer. Fotos: Volker Plattner
In der Pause bleibt uns Zeit, die Ausstellung „Siebenbürgische Generationen im Fokus“ von Karl Untch zu entdecken. Mit viel Liebe zum Detail zusammengestellt, zeigt sie eindrucksvoll anhand von unterschiedlichen Exponaten und Fotos aus dem eigenen Familienschatz das Weitergeben von Erinnerungen und Traditionen über Generationen hinweg.

Nach einem begeisternden Auftritt. Familie Bopp (von links: Kaya, Rupert, Kerstin, Laurin)
wird mit großem Applaus bedacht. Foto: Volker Plattner
Ein besonderer Höhepunkt des Abends ist die „Musikalische Reise der Familie Bopp“. Kerstin und Rupert Bopp, beides Berufsmusiker und Musikpädagogen, die bereits bei früheren Kulturwochenenden auf Schloss Horneck die Gäste mit ihrer Musik bezaubert haben, werden dieses Mal von ihren Kindern Laurin (22) am Schlagzeug und Kaya (15) am Klavier und Keyboard begleitet, ein wunderbares Beispiel gelebter Generationenverbindung. Die Mischung aus historischen und traditionellen Stücken (darunter auch ein Lied aus der Ausreisegegend der Landler) sowie eigenen Arrangements begeistert durch ihre Lebendigkeit und Authentizität. Spätestens als am Ende Pink Floyds „Wish You Were Here“ und Bob Dylans „Knockin’ on Heaven’s Door“ erklingen, überträgt sich die Begeisterung vollständig auf das Publikum. Gemeinsam singen wir unter der Leitung von Kerstin Bopp einen eigens für Schloss Horneck komponierten Kanon, ein verbindender Moment, der lange nachklingt: „Auf Schloss Horneck ist es schön, weil wir uns hier wiedersehen / Und weil wir gemeinsam singen, alles hier zum Klingen bringen“, wie wahr!
Führungen und Eröffnung einer neuen Themenwand
Der nächste Tag beginnt mit spannenden Schlossführungen. Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch führt mit großer Sachkenntnis und spürbarer Verbundenheit durch die bewegte Geschichte des Hauses, von seinen Ursprüngen bis hin zur heutigen Nutzung als lebendiger Ort der Begegnung und Kultur. Zeitgleich erläutert Dr. Axel Froese im Rahmen der baulichen Führung die umfangreichen Umbau- und Renovierungsmaßnahmen auf Schloss Horneck. Heidi Negura stellt das Konzept „Siebenbürgen im Schlosshotel“ anhand der Themenwände im Schloss vor. Ein Highlight dieses Kulturwochenendes ist die Einweihung der Themenwand „Die Kirchenburgen in Siebenbürgen“, das neueste Schmuckstück unter den Themenwänden im Schloss, die als Teil des Konzepts „Siebenbürgen im Schlosshotel“ den Besuchern siebenbürgische Kultur und Geschichte nahebringen sollen. Die Anregung zu dieser Themenwand geht auf Alfred Mrass zurück; sie wurde meisterhaft konzipiert und gestaltet durch Heidi Negura, den aus Klausenburg angereisten Designer Dr. Radu Nebert und Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch mit zahlreichen Bildern von ehrenamtlichen Fotografen.
Ansprache von Heidi Mößner, Vorsitzende des Schlossvereins, bei der
Einweihung der Themenwand Siebenbürgische Kirchenburgen. Foto: Volker Plattner
Die Einweihung erfolgt unter dem besonders eindrucksvollen Programmpunkt „Anders rinnt hier die Zeit“. Der Vortrag von Prof. Ulrich Wien über die Geschichte, Typologie, vielfältigen Funktionen der Kirchenburgen über die Jahrhunderte, ihren Verfall in kommunistischen Zeiten und nach der Wende sowie die aktuellen Bemühungen, sie zu erhalten und wieder zum Leben zu erwecken, wird in beeindruckender Weise ergänzt durch stimmungsvoll dargebotene Musik. Versunken in der Betrachtung eindrucksvoller Bilder der Kirchenburgen lauschen wir Kompositionen von Ernst Irtel, vorgetragen vom Duo Angela Seiwerth (Klavier) und Georg Ongert (Cello). Samuel Piringers Vortrag unter anderem der „Siebenbürgischen Elegie“ von Adolf Meschendörfer und „Und wird man mich fragen“ von Oskar Pastior verstärkt die fast wehmütige Stimmung. Das gemeinsame Singen des Chorals „Ein feste Burg ist unser Gott“ und des Siebenbürgerlieds, begleitet am Klavier von Prof. Heinz Acker, macht die Geschichte der Kirchenburgen auch emotional erlebbar.




Prof. Ulrich Wien, Pfr. i.R Samuel Piringer, das Duo Angela Seiwerth und Georg Ongert sowie Prof. Heinz Acker bei der Einweihung der Themenwand Foto: Volker Plattner
Raketenpioniere
Ein faszinierender Perspektivwechsel gelingt mit dem Vortrag über „Drei Generationen Raketenpioniere aus Siebenbürgen“ von Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch, ergänzt mit beeindruckenden musikalischen Collagen, komponiert und gespielt von Rupert Bopp. Siebenbürgen kann sich mehrerer „Raketenpioniere“ rühmen: Conrad Haas kommt 1551 nach Hermannstadt und bleibt dort. Er erklärt erstmals das Prinzip der Rakete und probiert unterschiedliche Formen aus. Es folgt Valentin Franck von Franckenstein (1643–1697), ein bedeutender Politiker und Wissenschaftler, von dem erste Dokumente einer Zweistufenrakete erhalten sind. Die Würdigung des bekanntesten siebenbürgischen Raketenpioniers, Hermann Oberth, einer der Begründer der wissenschaftlichen Raketentechnik, darf selbstverständlich nicht fehlen. Rupert Bopp gelingt es mithilfe eines Loopgeräts, durch Klangüberlagerungen von Stimmen und mehreren Instrumenten und sogar eines berührungslos gespielten Theremins, sphärische Klänge und eine fantastische Atmosphäre zu erzeugen, die uns buchstäblich ins All versetzen. Was für ein tolles Erlebnis, dieser multimediale Vortrag, eine richtige Raketenzündung!
Ehrungen, Cello-Intermezzi, Schlosslied und Pimpolino
Den Samstagnachmittag eröffnet Heidi Mößner mit der Begrüßung und Ehrung der Kulturpaten (Elfriede Herter, Hanni Städter, Heidrun Negura, Volker Plattner), Schlosspaten (Doris Wagner-Prica und Dusko Prica, Hannelore und Johann Schuster, Kreisgruppe Leonberg des Verbandes der Siebenbürger Sachsen) und Dachpaten (Dr. Ortrud und Dipl.-Ing. Gerhardt Graeser, Elfriede und Klaus-Dieter Müller, Landesverband Hessen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, Krista und Dietmar Faber, Reinhard Reimer). Die Vorstellung wird musikalisch bereichert durch das Cello-Duo von Georg Ongert und seiner Enkelin Gloria Patzelt (zehn Jahre).

Gloria Patzelt und ihr Opa Georg Ongert musizieren gemeinsam und
zeigen ihr meisterhaftes Können. Foto: Volker Plattner
Sie spielen Intermezzi unter anderem von Franz Schubert, Jacques Offenbach und J.S. Bach. Der begeisterte Applaus bestätigt ihre gelungene, berührende Darbietung. Abschließend und passend zu den Ehrungen singen wir gemeinsam und mit spontaner musikalischer Unterstützung von Karl-Heinz Piringer am Piano das Schlosslied „Ich bau dir ein Schloss“.
Sehr persönlich ist der Programmpunkt „Erinnerung an die Großeltern in Siebenbürgen“ von Ines Handel, der Autorin des Kinderbuchs ,,Pimpolinos Abenteuer auf Schloss Horneck“. Es ist eine gespielte Szene, aufgebaut auf einem Dialog zwischen Ines/Pimpolino und ihrer Großmutter (gelesen von ihrer eigenen Mutter). Der Sketch wird durch Interviews mit der Großmutter und Aufnahmen der Großeltern aus Siebenbürgen ergänzt.

Ehrung der Schlosskünstlerin Ines Handel durch Heidi Mößner.
Rechts: Edda Handel, die Mutter der Künstlerin, die in der Aufführung
ebenfalls eine Rolle spielte. Foto: Volker Plattner
Die innige Verbindung zwischen der ausgewanderten Ines und ihren Großeltern ist auch aus ihrem regen Briefwechsel erfahrbar, aus dem einige bedeutsame Stellen vorgelesen werden. Die Darbietungen von Ines im Clownkostüm, gesprochen mit der kindlichen Stimme Pimpolinos versetzen das Publikum geschickt in die Vergangenheit und machen die tiefe Verbindung zwischen den Generationen spürbar, ein Moment, der viele im Publikum bewegt.
Zwei Musikerfamilien auf der Bühne und vier starke Frauen
Ein weiterer Höhepunkt dieses Wochenendes sind die virtuos vorgetragenen musikalischen Darbietungen von Prof. Heinz Acker (Klavier) zusammen mit seinen drei Söhnen Sebastian (Klavier), Thomas (Kontrabass), Michael (Violine) und der 15-jährigen Enkelin Mariel Thomay (Klavier und Klarinette). Diese bereichern den Vortrag von Prof. Heinz Acker über das siebenbürgische Wunderkind Carl Filtsch.

Drei Generationen der Familie Acker auf der Bühne.
von links: Sebastian, Thomas, Heinz, Mariel Thomay und Michael. Foto: Volker Plattner
Carl Filtsch, dem im Schloss ein Musikzimmer gewidmet ist, wird von den größten Musikern seiner Zeit, Liszt, Chopin bewundert und gefördert. Obwohl er im Alter von nur 15 Jahren sehr früh verstarb, hat er eine Vielzahl von Kompositionen hinterlassen, von denen uns Familie Acker unter anderen auch drei Werke vorspielt: „Romanze ohne Worte“, und „Choral“ sowie sein letztes Stück, „Lebewohl von Venedig“. Dieses wurde im Bewusstsein des bevorstehenden Abschiedes geschrieben, und wird von Prof. Heinz Acker am Klavier vorgetragen. Große Begeisterung beim Publikum findet der bewundernswerte Klaviervortrag von Mariel Thomay: „Grande Valse brillante Op.42“ von Chopin. Mit stehenden Ovationen dankt das Publikum den Vertretern von drei Generationen der Familie Acker für dieses besondere Erlebnis und den musikalischen Hochgenuss.
Anschließend spannt der Theologe Michael Gross den Bogen zur Bedeutung von Stammbäumen in seinem Vortrag ,,Vier starke Frauen im Stammbaum Jesu“. Er eröffnet damit eine besondere Perspektive auf Herkunft und Zusammenhänge. Am Anfang wird das Hausnummernprinzip von Dr. Klima erwähnt, die Symbolik der Statue des Bischofs Daniel Teutsch, dass ein Leben in der Vereinzelung nicht sinngebend sein kann, sondern dass der Zusammenhang der Generationen und das Bewusstsein dafür wichtig ist.

Pfr. i.R. Michael Gross bei seinem Vortrag Foto: Volker Plattner
Es wird das biblische Schicksal der vier Frauen erzählt, Tamar, Rachab, Ruth, Bathseba. Jede von ihnen hat unter extremen Randbedingungen für das Fortführen ihres Stammbaumes gekämpft. Nur Tamar und Bathseba waren Israelitinnen (Jüdinnen), Rachab war Kanaaniterin, und Ruth Moabiterin, eine erste prominente Konvertitin. Der Vortrag macht deutlich, wie eng Lebenswege miteinander verwoben sind und wie sehr sie unsere Identität prägen.
Am Abend entführt uns die Familie Miller, mit großer musikalischer Vielfalt, auf eine Reise durch verschiedene Länder und Stile. Der Bariton Prof. Milton Miller und die Töchter Gretel (11) und Melody (14) tragen die komplexen Melodien beeindruckend klar vor und der achtjährige Lennart erfreut uns mit netten Heintje Melodien. Das vielfältige Repertoire wird von der Mutter Fenia Hein-Wensell am Klavier begleitet. Der Abend klingt aus in geselliger Runde bei einem siebenbürgischen kalten Buffet und mit vielen anregenden Gesprächen.
Sonntagsführung und Andacht
Auch der Sonntagvormittag hält noch viele Eindrücke bereit. Da ist einerseits die Vorstellung der Musikgeschichte in Siebenbürgen, dargestellt auf einer Themenwand im Musikzimmers Ernst Irtel durch Prof. Heinz Acker, der bei deren Gestaltung federführend war. Die Herausforderung, 880 Jahre Musikgeschichte auf vier Wände zu bannen, ist gut gelungen und sehr sehenswert. Wir hören dabei die Klänge des Cembalos und erfahren neue, interessante Details.
Wie immer bei den Kulturwochenenden des Schlossvereins beschließt eine Andacht das erlebnisreiche Wochenende. Pfr. i.R. Michael Gross hat das Thema „Der Weg und die Gewissheit“ sehr bezeichnend gewählt für den Alltag aber auch für Schloss Horneck. Die Idee, die zehn Gebote als Wegmarker des persönlichen Weges anzunehmen und damit eine erhöhte Wahrscheinlichkeit zu erkennen für die Erreichung des Ziels, ist sehr bildhaft und einprägsam. Damit rückt auch die Verknüpfung zwischen Weg und Wegvergewisserung in den Bereich des Machbaren. Die Mut machende religiös-philosophische Ausführung beeindruckt uns zutiefst. Das Klavierspiel von Angela Seiwerth bereicherte diese Andacht und schließt ab mit ,,Jesus bleibet meine Freude“.
Dieses Kulturwochenende ist für mich und vermutlich auch für die vielen anderen Besucherinnen und Besucher weit mehr als eine Reihe von Veranstaltungen. Es ist ein intensives Erleben von Gemeinschaft, Erinnerung und Weitergabe, eine Brücke zwischen Generationen, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Dankbar blicke ich auf diese Tage zurück. Sie haben gezeigt, wie lebendig unsere Kultur ist, und wie wichtig es ist, sie gemeinsam zu erleben und weiterzugeben. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Kulturwochenende auf Schloss Horneck, das vom 16.-18. Oktober stattfinden wird.
Ilse Fleischer
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