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Vom 16. bis 18. Oktober 2026 lud das Siebenbürgische Kulturzentrum Schloss Horneck e. V. zum zweiten KulturWochenende unter dem Motto „Bühne der Generationen“ ein. Nachdem das Generationenthema bereits im März 2026 großen Anklang gefunden hatte, versprach auch die Fortsetzung ein abwechslungsreiches Programm. Zahlreiche Künstler, Referenten, Ehrengäste und Besucher aus nah und fern strömten in die herbstlich leuchtende Neckargegend und füllten die festlichen Säle und Räume des Schlosses. Das Wochenende war, wie so oft, ausgebucht.

Heidi Mößner die Vorsitzende des Schlossvereins begrüßt die Gäste und Ehrengäste, unter ihnen Heiko Kusche, vom Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat in Baden-Württemberg, als Vertreter der Ministerin Marion Gentges, Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch und Helge Krempels, Ehrenvorsitzende des Siebenbürgischen Kulturzentrums „Schloss Horneck“ e.V., Architekt Peter Schell, Dr. Heinke Fabritius, Kulturreferentin für Siebenbürgen, Dr. Dr. Gerald Volkmer, stellvertretender Direktor am Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Als Vertreter des Verbandes der Siebenbürger Sachsen wurden begrüßt: der Bundesvorsitzende Rainer Lehni, die Ehrenvorsitzende Herta Daniel und die stellvertretende Bundesvorsitzende Ingwelde Juchum sowie Dr. Kurt Thomas Ziegler Obmann der Siebenbürger Sachsen in Wien. Auch Vertreter des Fernsehsenders TVR1 aus Bukarest, Künstler, Referenten, Spender, viele weit angereiste Gäste waren dabei.

Das Programm des KulturWochenendes stammt maßgeblich aus der Feder von Heidrun Negura, die dem Schlossverein als Beraterin für Kultur und Öffentlichkeitsarbeit zur Seite steht.

Drei Generationen Teutsch: Zwei Historiker und Bischöfe, ein Musiker

In einem fesselnden Vortrag würdigte Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch drei herausragende Persönlichkeiten: die Historiker und Bischöfe Georg Daniel Teutsch (1817-1893) und Friedrich Teutsch (1852-1933) sowie den Cellisten Götz Teutsch (geboren 1941). Die beiden Bischöfe, Vater und Sohn, stärkten mit ihren Geschichtswerken das Identitätsbewusstsein der Sieben-

bürger Sachsen. Nach der Auflösung der Nationsuniversität durch die ungarische Regierung im Jahr 1876 gewann die evangelische Kirche als identitätsstiftende Institution an Bedeutung. Sie entwickelte sich zur Volkskirche und verteidigte das deutschsprachige Schulwesen gegen die Magyarisierungsmaßnahmen. Zugleich setzte sie das Konzept der Konfessionsschule mit eigener Verkündigungssprache durch. Götz Teutsch,Urenkel von Georg Daniel Teutsch, war jahrzehntelang Solocellist der Berliner Philharmoniker und Mitbegründer der weltberühmten „Zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker“. Stets bekannte er sich zu seinen siebenbürgischen Wurzeln; Hermannstadt ernannte ihn zum Ehrenbürger.

Zahlreiche Fotografien veranschaulichen den Vortrag. Für die musikalische Umrahmung sorgt das Schlossquartett mit Michael Gewölb an der Geige, Gerhard Zank und Jonas Gewölb am Cello sowie Hans Seiwerth an der Querflöte. Eindrucksvoll erklingt die von Ernst Irtel vertonte „Siebenbürgische Elegie“ von Adolf Meschendörfer.

 

Hon Prof. Dr. Konrad Gündisch fesselt die Zuhörer mit seinem Vortrag über Vertreter der Familie Teutsch. Foto: Johannes Ganzert

 

Ausstellung ,,Gut behauptet, behütet und betucht“

Eine sehr beeindruckende Ausstellung siebenbürgisch-sächsischer Trachtenkopfbedeckungen von Christa Andree und Ines Wenzel im Flur vor dem Festsaal wurde von Heidi Mössner eröffnet. Die rund 50 Exponate spiegeln die Vielfalt der Kopfbedeckungen aus unterschiedlichen Generationen und Regionen Siebenbürgens wider, vom Burzenland bis Bistritz. Neun Puppen in originalgetreu nachgearbeiteten Trachten von Edith Rothbächer ergänzen die Ausstellung.

 

,,Kutt, ir Med, sätzt äm mich nedder“ – Mundart, Gesang und Bockeln

Gerdi und Lisa Gärtner (Mutter und Tochter) sangen als Duo Mundartlieder aus ihrem Heimatort Schönau/Şona, die sie Gerdis Eltern widmeten, von denen sie die Lieder gelernt hatten. Währenddessen wird gebockelt: Christa Andree bockelt Franziska Fleischer in Agnethler Tracht, Ines Wenzel bockelt Vivienne Weber in Großscheuerner Tracht. Über eine Projektion auf dem Bildschirm kann man das Bockeln genau verfolgen, eine siebenbürgisch-sächsische Kulisse entsteht zu dem Gesang. Das Lied „Schönau mein Paradies“ berührt jeden im Saal. Eine Tonaufnahme der Großeltern Lisas wird eingespielt, zu der Tochter und Enkelin singen. Ein wunderbarer Moment, umrahmt von vier Frauen in Tracht, in dem klar wird, wie in Siebenbürgen über Generationen Liedgut und Tradition weitergegeben wurden. In der Pause wird warmer Eierhanklich gereicht, den die unermüdliche Christa Andree gebacken hatte.

Lieder aus Schönau und live-Bockelung. Von links: Gerdi und Lisa Gärtner,
Christa Anderee, Franziska Fleischer, Ines Wenzel und Vivienne Weber. Foto: Heidi Mößner

Im zweiten Teil setzte Lisa Gärtner ihrer Mutter mit deren Lieblingsliedern aus der Jugendzeit ein musikalisches Denkmal. Der professionelle Gesang der ausgebildeten Musicaldarstellerin beeindruckte ebenso wie die liebevolle Einbindung ihrer Mutter Gerdi, die zum ersten Mal auf einer Bühne stand. Ergänzt durch persönliche Familiengeschichten – etwa vom gemeinsamen Singen auf langen Urlaubsfahrten oder zu Hause – wirkte der Auftritt besonders authentisch und nahbar. Mit klangvoll interpretierten Liedern wie „Theater“ von Katja Ebstein und Titeln von ABBA begeisterte das Duo das Publikum.

Schlossführungen

Die bauliche Führung nahm Dr. Axel Froese persönlich vor, der mit fachlicher Kompetenz und ehrenamtlichem Einsatz, den Um- und Ausbau von Schloss Horneck zum Kulturzentrum, gemanagt hat. Auf dem Rundgang durch Räume, Salons und Säle erläuterte er die Herausforderungen der Sanierung. Dazu gehörten die Umsetzung der Brandschutzvorgaben, die damit verbundenen Kosten und die Renovierung des Treppenaufgangs.

Zur parallel stattfindenden historischen Führung mit Historiker Dr. Konrad Gündisch hatte sich eine große Gruppe Interessierter eingefunden. Es war spannend, Einblicke in die Schlossgeschichte von einem bedeutenden Historiker zu erhalten, besonders, wenn auch unterhaltsame Details dazu gehören.

Dr. Horst Müller führte durch die Außenanlagen von Schloss Horneck. Der Rundgang führte in den Burggraben, zu einigen mittelalterlichen Türmen und schließlich in die Maschinenhalle, wo er die historische Heizungsanlage erläutert.

Spendenprojekt ,,Siebenbürgen im Schlosshotel‘‘ vorgestellt

Groß war das Interesse an der Führung, an der über 50 Gästen teilnahmen. Die Initiative von Heidrun Negura ermöglichte es, mit Spenden in Höhe von insgesamt 750 000 Euro die Innenausstattung des Schlosshotels zu finanzieren. Negura führte selbst zu den beeindruckenden Themenwänden, berichtete über die Raumausstattung, über deren Konzepte, Entwicklung und Gestaltung. Zu ihren Ideen gehörten Zimmer mit siebenbürgischen Ortsnamen und Themenwände zu Kultur und Geschichte Siebenbürgens. Diese machen siebenbürgische Geschichte und Tradition im Schlosshotel sichtbar und für Besucher aus aller Welt erlebbar.

Ehrungen und Dachsanierung

Heidi Mößner informierte am Samstag über die eingereichten Förderanträge zur dringend notwendigen Dachsanierung. Zugleich appellierte sie an die gesamte siebenbürgische Gemein- schaft, dieses wichtige Vorhaben zu unterstützen. Nur gemeinsam könne die Sanierung gelingen und damit die Zukunft der siebenbürgischen Institutionen im Schloss gesichert werden.

Mit großem Dank wurden die neuen Kultur-, Schloss- und Dachpaten geehrt. Ihre Namen werden in einem der nächsten Berichte veröffentlicht. Georg Ongert und Gerhard Zank bereicherten das Programm mit Darbietungen auf ihren Celli. Passend zum gemeinsamen Anliegen der Dachsanierung wurde gemeinsam das „Schlosslied“ gesungen.

Podiumsdiskussion ,,Siebenbürgen im Gepäck‘‘

Pomona und Elena Zipser, Mutter und Tochter, Pomona Zipser, Bildhauerin und Zeichnerin, Elena Zipser, Malerin und Performerin, waren auf Einladung der Kulturreferentin für Siebenbürgen, Dr. Heinke Fabritius, zu Gast. Es ging Fabritius vor allem um die Frage, auf welche Weise das kulturelle Erbe der Siebenbürger Sachsen von der Generation, die nicht mehr in Siebenbürgen beheimatet ist, dennoch weitergetragen und grenzüberschreitend vermittelt wird. Elena ist 1988 in Berlin geboren, kennt Siebenbürgen zunächst nur über Erzählungen und über die Bilder ihrer Großmutter. Später ist es ihr wichtig, das Land ihrer Familie aus dem konkreten Erleben heraus darstellen zu können. Pomona Zipser wurde 1958 in Hermannstadt geboren. Ihr Lebensmittelpunkt war das Atelier ihrer Eltern, der Malerin Katharina Zipser und des Bildhauers Paul Zipser. Pomona entschied sich für Arbeiten in Holz und gestaltet Konstruktionen. Eine ihrer Fragen ist, auf welche Weise Zusammenhalt hergestellt werden kann. Man kann Holz auch nageln oder „nur“ mit Seilen verbinden. Denn das Binden führt ebenfalls zu stabilen Verbindungen, es hält aber auch die Möglichkeit bereit, die Dinge zu entbinden. Das Gespräch bot den Künstlerinnen Gelegenheit, über ihr Werk und ihre Verbindungen nach Siebenbürgen zu sprechen, um schließlich in einen Austausch mit dem Publikum zu treten.

Dr. Heinke Fabritius (am Pult) moderiert das Gespräch mit Elena und Pomona Zipser. Foto Walter Boltres

Gründer-Politiker-Künstler. Ist der Buddenbrook –Effekt bei den siebenbürgischen Unternehmensfamilien nachweisbar?

Dr. Dr. Gerald Volkmer, Oldenburg, präsentierte neue Forschungsergebnisse zur Wirtschaftsgeschichte Siebenbürgens, die er anhand zahlreicher Bilder und Übersichten zur Größe der Unternehmen und zu den Netzwerken der Eigentümerfamilien veranschaulichte. Dabei ging er der Frage nach, ob die im Roman Thomas Manns „Die Buddenbrooks“ beschriebene Entwicklung vom soliden Unternehmertum der Gründergeneration, über den Drang r zweiten Generation, öffentliche Ämter zu bekleiden, bis hin zur Neigung der dritten Generation zum Künstlertum, auch bei den Siebenbürger Sachsen zu beobachten gewesen sei. Er untersuchte drei bis vier Generationen der bedeutendsten sächsischen Industriellenfamilien Copony, Czell, Rieger, Scherg und Schiel und ihr Wirken zwischen 1848 und 1948. Bei fast allen diesen Dynastien konnte er nachweisen, dass eine falsche Einschätzung der politischen oder gesamtwirtschaftlichen Lage, Zwist in der Familie, persönliche Verfehlungen, politische Betätigungen oder künstlerische Interessen der Erbengenerationen die Existenz mancher Unternehmen auf Spiel gesetzt oder diese sogar beendet hat. Alle fünf Familien prägten maßgeblich bis zur Enteignung ihrer Betriebe im Jahre 1948, das wirtschaftliche, politische und kulturelle Leben Siebenbürgens. Musikalisch umrahmt wurde der Vortrag mit professioneller Virtuosität von „Zwei Celli“, Gerhard Zank & Georg Ongert, erstmalig zusammen im Duo.

   
Dr. Dr. Gerald Volkmer bei seinem Vortrag und die „Zwei Celli“ Gerhard Zank und Georg Ongert. Foto: Johannes Ganzert

De Lidertrun und ihre Kinder

Ein besonderes Erlebnis war der Auftritt der bekannten Musiker von „De Lidertrun“: Heinz Piringer, Angela und Hans Seiwerth sowie Michael Gewölb standen gemeinsam mit einigen ihrer Kinder und Enkelkindern auf der Bühne. Nora Seiwerth war mit ihren Kindern Olivia und Elie aus Paris angereist, Jonas Gewölb mit seinem Cello aus Berlin. Nora ergänzte den Gesang ihrer Mutter mit ihrem glockenklaren Sopran; beide waren mehrfach im Duett zu hören – auch in siebenbürgisch sächsischer Mundart. Ihre Schauspielausbildung zeigte Nora besonders im Lied „Duechter wällt ta den Kantor nien“, das sie mit Charme und Witz vortrug. Jonas Gewölb bereicherte die Darbietungen mit einfühlsamen, beschwingten Celloeinlagen. Auch die jüngsten Familienmitglieder wurden eingebunden: Die sechsjährige Olivia begleitete am Klavier, ihr dreijähriger Bruder Elie an der Trommel. So wurde das Generationenthema auf der Bühne unmittelbar lebendig. „Diese Truppe muss man einfach live erlebt haben!“ so die charmante Moderatorin Franziska Fleischer.

Großer Applaus für „De Lidertrun“ und ihre Kinder: von Links: Jonas Gewölb, Karl Heinz Piringer,
Hans Seiwerth, Nora Seiwerth, Olivia Girard, Angela Seiwerth, Michael Gewölb. Foto: Johannes Ganzert

„Rock the Generations“ mit Ricky und Elvin Dandel

Erstmals standen Ricky Dandel und sein Sohn Elvin gemeinsam auf der Bühne von Schloss Horneck. Ricky Dandel, in Rumänien seit den 1970er-Jahren als Pop- und Rockstar bekannt, spielte Gitarre. Elvin Dandel begleitete ihn am Keyboard, unterstützt von Gerhard Bernlochner am Schlagzeug. Elvin ist Englischlehrer an einem Gymnasium und zugleich als Profimusiker, Produzent, Schauspieler und Moderator tätig. Wegen einer Stimmbandentzündung konnte er diesmal leider nicht singen, sorgte aber mit seiner rasanten Keyboardbegleitung für mitreißende musikalische Momente. Mit Eigenkompositionen und Arrangements aus Pop und Rock begeisterten die Musiker das Publikum. Besonders die Interpretation von Elvis Presleys „Can’t Help Falling in Love“ ging unter die Haut. Zwischen den Liedern gewährte Ricky Dandel persönliche Einblicke in seine Lebensphilosophie. Bei „My Way“ betonte er, wie wichtig es sei, sich hohe Ziele zu setzen und mit Überzeugung für sie einzutreten. Es folgten unter anderem „Knockin‘ on Heaven’s Door“ und „Unchain My Heart“. Mit seiner mitreißenden Art brachte Ricky Dandel das Publikum einmal mehr in Bewegung. Hinten im Saal wurden Stühle beiseitegeräumt, und es wurde getanzt. Seine Begeisterung war ansteckend.

Von links: Elvin und Ricky Dandel, Gerhard Bernlochner. Foto Johannes Ganzert

Am Sonntag lockte Prof. Heinz Acker mit seinem beliebten Vortrag zur musikgeschichte der Siebenbürger Sachsen erneut zahlreiche Zuhörer an. Er ist der „Schöpfer“ der aufwendig gestalteten Themenwand, die einen Überblick über die Musikgeschichte Siebenbürgens bietet. Seinen Ausführungen zuzuhören, ist ein besonderes Privileg: Sie verbinden fundiertes Wissen mit persönlicher Begeisterung für das musikalische Erbe Siebenbürgens.

Pfarrer Samuel Piringer aus Großpold stellte in seiner Andacht die befreiende Botschaft Jesu in den Mittelpunkt. Jesus habe über die Verbote des Alten Testaments hinaus zu einer neuen Freiheit geführt: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen“. Das Leben solle von Freude und Gemeinschaft geprägt sein, geschützt vor Langeweile ebenso wie vor Überforderung. Besonders einprägsam war seine Aufforderung, „ein Herz für den Sonntag zu haben und einen Sonntag für das Herz“. Für die musikalische Gestaltung sorgten Angela Seiwerth am Klavier sowie die beiden Cellisten Gerhard Zank und Georg Ongert.

Zum Abschluss dankte Heidi Mößner dem Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen e.V. und der Kulturreferentin für Siebenbürgen Dr. Heinke Fabritius für die Förderung der Veranstaltung. Ohne diese Unterstützung und die der vielen ehrenamtlichen Helfer und Vorstände würde so eine Veranstaltung nicht gelingen. Nach diesem anregenden Kulturwochenende freuen wir uns auf weitere Veranstaltungen.

Ilse Fleischer

 

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