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Am 13. September wurde auf Schloss Horneck aus dem bundesweiten Motto des Tags des offenen Denkmals „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ kurzerhand der Stabreim „NetzWERKE, Neckar & Neugierde“. Denn an diesem Tag ging es um Verbindungen: zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Gundelsheim und Siebenbürgen, zwischen Einheimischen und Gästen – und vor allem um die Neugierde darauf, was sich hinter den Mauern eines ca. 800 Jahre alten Schlosses verbirgt.

Rund 350 bis 400 Besucherinnen und Besucher machten sich trotz durchwachsenem Wetter auf den Weg hinauf zum Schloss. Vier Schlossführer des Siebenbürgischen Kulturzentrums Schloss Horneck e.V. – Dr. Horst Müller, Alfred Deptner, Anselm Honigberger und Heidi Mößner – begleiteten die Gäste mit Fachwissen, persönlichen Geschichten und mancher überraschenden Anekdote durch Schloss, Außenanlagen, Felsenkeller und Maschinenhalle. Immer wieder bildeten sich neue Gruppen, manche Besucher blieben mehrere Stunden und erkundeten gleich mehrere Stationen. Auch das Siebenbürgische Museum öffnete seine Türen, bot freien Eintritt und lud am Nachmittag zur Eröffnung der neuen Ausstellungen zu Trachten, Weinbau und Kirchen ein. Interessant war die Zusammensetzung des Publikums: Der überwiegende Teil kam aus Gundelsheim und der näheren Region. Viele Einheimische hatten Schloss Horneck zwar seit Jahrzehnten vor Augen, waren aber noch nie selbst hineingegangen. Manche betraten das Schloss tatsächlich mit 75 Jahren zum ersten Mal. Entsprechend groß war die Überraschung darüber, welches historische und kulturelle Kleinod sich direkt vor der eigenen Haustür befindet. Auch eine Gruppe der Kreisgruppe Öhringen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen war eigens angereist und ließ sich von Alfred Deptner durch das Siebenbürgische Kulturzentrum und die Schlossanlagen führen. Groß war das Interesse an der Geschichte und Architektur des Schlosses – und natürlich an seiner besonderen Lage hoch über dem Neckar. Vielen Besuchern war nicht bekannt, dass Schloss Horneck zwischen 1425 und 1525 Sitz der Deutschmeister war und damit zu den bedeutenden Standorten des Deutschen Ordens gehörte. Für viele ebenso neu war die Geschichte der Siebenbürger Sachsen: Wie kamen sie nach Siebenbürgen – und später wieder zurück nach Deutschland? Warum erwarben sie Schloss Horneck 1960 und entwickelten es zu einem Kultur- und Begegnungszentrum? Die siebenbürgischen Themenwände im Schloss boten zahlreiche Anknüpfungspunkte. Aus historischen Fakten wurden schnell persönliche Gespräche über Herkunft, Familiengeschichten, Auswanderung und die Frage, wie Erinnerung, Traditionen und Sprache über Generationen hinweg erhalten und weitergeführt wird.

Zu den eindrucksvollsten Stationen gehörte erneut der Felsenkeller. Die Berichte über seine Nutzung als Luftschutzbunker während des Zweiten Weltkriegs machten nachdenklich. Gleichzeitig faszinierte die völlige Dunkelheit. Auch der Seitengang und der sogenannte Geheimgang sorgten für Aufmerksamkeit. Nach der Überlieferung soll dieser bereits vor dem Bauernkrieg bestanden und dem Deutschmeister kurz vor der Eroberung der Burg als Fluchtweg gedient haben. Erstaunlich für viele war auch, dass der Felsenkeller in seiner heutigen Form erst während der Zeit der Schlossbrauerei weiter ausgebaut wurde.

In der Maschinenhalle zeigte sich Schloss Horneck von einer ganz anderen Seite. Hier wurde Technik- und Baugeschichte greifbar: Anlagen und Spuren früherer Nutzungen erzählen davon, dass ein Schloss nicht nur aus repräsentativen Sälen und historischen Mauern besteht, sondern auch funktionieren musste. Gerade diese weniger bekannten Bereiche weckten bei vielen Besuchern die Neugierde auf die Geschichte hinter der Geschichte. Dass Geschichte keineswegs trocken sein muss, zeigte eine Schülerin der vierten Klasse. Mit bemerkenswertem Eifer versuchte sie, die historische Inschrift zur Zerstörung Schloss Hornecks im Bauernkrieg zu entziffern. Während so mancher Erwachsene längst aufgegeben hatte, arbeitete sie sich Buchstabe für Buchstabe durch den Text – und wurde schließlich von der ganzen Gruppe angefeuert.

Für Heiterkeit sorgte eine andere Szene. Auf die Frage eines Geschichtelehrers, seit wann man denn im Unterricht gefehlt habe, kam prompt die Antwort: „Seit den Kreuzzügen.“ Das Gelächter begleitete die Gruppe noch ein gutes Stück durch die Schlossgänge.

Eine besondere Begegnung gab es am Abend bei einer Sonderführung für eine Studentin, die im Rahmen einer Forschungsinitiative nach Spuren eines Hexenprozesses aus dem Jahr 1583 suchte. Zwar fanden sich keine spektakulären Relikte wie eine Folterkammer oder ein Hexengefängnis. Doch die gemeinsame Spurensuche führte zumindest mögliche Indizien zutage.

Mindestens ebenso großes Interesse wie die Vergangenheit weckte die Gegenwart des Schlosses. Besucher erkundigten sich nach Kulturveranstaltungen, Konzerten, Übernachtungsmöglichkeiten im Schlosshotel und nach Angeboten für besondere Anlässe. Auch die geöffneten Gästezimmer wurden aufmerksam besichtigt. Dabei fiel auf, dass kaum ein Zimmer dem anderen gleicht: Alle sind individuell an die baulichen Gegebenheiten des Schlosses angepasst.

Der Tag des offenen Denkmals auf Schloss Horneck hat nicht nur Türen geöffnet, sondern Neugierde weckt, Begegnungen gefördert– und Lust gemacht, wiederzukommen.

Ein herzlicher Dank gilt den vier Schlossführern Dr. Horst Müller, Alfred Deptner, Anselm Honigberger und Heidi Mößner, die den Besucherinnen und Besuchern mit viel Engagement und persönlichem Einsatz die Geschichte und Gegenwart von Schloss Horneck nähergebracht haben.

Heidi Mößner

 

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