Historie

1. Ritterburg wird Deutschordensburg

Eines der ältesten Zeugnisse der Schlossgeschichte: Grabstein des Komturs Wernher von Horneck (gest. 1306), mit dem Horneckschen Familienwappen. Früher in der Burgkapelle, heute in die Mauer neben dem Pförtnerhaus eingelassen. Foto: Konrad Gündisch

Dass sich der Felssporn über dem Neckar hervorragend für eine Verteidigungsanlage eignet, ist nicht nur jedem Burgenforscher klar. Auch die Menschen, die hier am Neckar lebten und leider im Laufe der Geschichte immer wieder Schutz und Sicherheit vor mordenden Kriegern suchen mussten, erkannten seine strategische Bedeutung. Auf der Gemarkung von Gundelsheim wurden Spuren aus der Römerzeit gefunden, schon 767 – vor bald 1250 Jahren – wird der Ort im Lorscher Codex erstmals erwähnt.

Kenntnis über die mittelalterliche Burg, die hier errichtet wurde, erhalten wir insbesondere aus dem hier abgebildeten Hornecker Triptychon, das sich heute im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg befindet. Seine Inschrift besagt, dass der „Edel Freymann“ Konrad von Hornegg im Jahr 1250, nach dem Tod seiner Frau, sich seine zwei Söhne und „das Haus zu Horneckh mit all seinem Gute Gott und unser Frauen sel. Maria und dem teutschen Orden“ übergeben habe. Ein Wunder sei daraufhin geschehen: sein lahmer Sohn Werner wurde wieder gesund und lebte bis 1306. Mit dem anderen Sohn begab sich Konrad dann auf eine lange Reise (wohl ins heilige Land), kehrte wieder zurück und starb auf Schloss Horneck, wo er „im Chor vor dem Altar“ auch begraben wurde.

Auf der mittleren Tafel des Stifterbildes sieht man neben der hl. Maria, der Schutzpatronin des Deutschen Ordens, eine Burg mit Bergfried und dem Hornecker Wappen. Es ist die älteste, wohl aber nicht ganz realitätsnahe Abbildung von Schloss Horneck. Auf der linken Altartafel kniet der Deutschmeister Ulrich von Lentersheim, der das Gemälde, dessen Alter nicht klar bestimmt werden kann, im Jahre 1456 renovieren ließ. Rechts aber sind der Stifter Konrad und sein vermutlich gleichnamiger Sohn als Deutschordensritter abgebildet. Aus einer Urkunde von 1254 wissen wir, dass Konrad damals noch nicht dem Orden beigetreten war, sondern eine Schenkung für die Stiftskirche St. Peter in Wimpfen im Tal getätigt hat. 1258 erscheint der „Bruder Konrad“ als „commendator domus de Horneke“ (Komtur des Ordenshauses Horneck). Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist die Ritterburg derer von Horneck zur Deutschordensburg geworden.

Triptychon zur Erinnerung an die Stiftung der Deutschordenskommende Horneck, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg (GNM), Inventar-Nr. Gm512. Abbildung mit freundlicher Genehmigung des GNM.

Der neue Besitz des Deutschen Ordens muss recht umfangreich gewesen sein, sonst hätte man nicht eine neue Kommende (Verwaltungseinheit des Ordens) geschaffen und Horneck der benachbarten Kommende Heilbronn zugeschlagen. Um 1300 wird auch ein Siegel des Komturs von Horneck datiert, der der Kommende vorstand. Zu deren frühem Besitz gehörten die Orte Gundelsheim, Hassmersehim, Selbach, Heinsheim, Höchstberg und Bernbronn, Streubesitz hatte sie bei Heidelberg und im Kraichgau. Um ihren Einfluss im Umland zu verstärken, betrieben die Ordensritter die Erhebung von Gundelsheim zur Stadt durch Kaiser Karl IV. (1346-1378) und die Befestigung des Ortes. Im 15. Jahrhundert wurde Horneck, wohl zur Zeit Eberhards von Seinsheim (1420-1443) Residenz der Deutschmeister, des Vertreters des Hochmeisters. Es folgte eine Blütezeit des Schlosses und der Stadt Gundelsheim, über die in der nächsten Folge berichtet wird.

2. Residenz der Deutschmeister

Bedeutender Sitz des Deutschmeisters – Eberhard von Seinsheim (auch von Saunsheim genannt), der über zwanzig Jahre lang Deutschmeister des Deutschen Ordens gewesen ist und auf Schloss Horneck in Gundelsheim begraben wurde (siehe weiter unten Abbildung seines Grabdenkmals), spielte in der Geschichte des Deutschen Ordens und ganz besonders in jener von Gundelsheim eine herausragende Rolle. Sein Siegel von 1430 und eine Inschrift auf seinem Grabmal (siehe Bildunterschrift) weisen ihn als „preceptor Alemanie“ (Meister in deutschen Landen) aus. Das war der Titel eines der drei Landmeister des Ordens. Er hat entscheidende Schritte zur Verselbständigung und eigenen Gebietsherrschaft des ihm unterstellten Ordensgebietes unternommen.

Der Deutschmeister, wie der „preceptor“ meistens bezeichnet wird, war neben den Landmeistern von Preußen und von Livland einer der drei direkt dem Hochmeister nachgeordneten Amtsträger, die in den drei wichtigsten Regionen mit Ordensgütern herrschten. Dem Deutschmeister unterstanden die Balleien im Heiligen Römischen Reich. Die Landmeister lösten sich allmählich aus der hierarchischen Unterordnung unter den Hochmeister und wurden von den regionalen Kapiteln gewählt. Diese Loslösung hat Eberhard von Seinsheim entscheidend vorangetrieben. Um die Herrschaft des Ordens in den Balleien mit ihrem ausgedehnten Streubesitz im Süden und Westen des Reiches zu sichern, verlegte er bereits 1420 den Verwaltungsmittelpunkt des Deutschmeistergebietes auf die Burg Horneck, nachdem bereits sein Vorgänger Konrad von Egloffstein (1396-1416) wiederholt auf Horneck residiert hatte.

Grabdenkmal des Deutschmeisters Eberhard von Seinsheim mit der Inschrift „anno domini m.CCCC.XLIII divisionis apostolorum obiit venerabilis frater Eberhardus de Saunßheim praeceptor alomnie cujus anima requiescat in pace amen“, ursprünglich in der Kapelle der Deutschordensburg Horneck.

Wie der Heraldiker Dr. Berhard Peter aufzeigt, wird das auch an den heraldischen Zeichen deutlich, die auf dem Grabmal in einer Nische über dem Kopf des Verstorbenen zu sehen ist: Es führt nämlich das Hochmeisterkreuz, neben seinem eigenen Wappen – eine Anmaßung, begründet in seinem Konflikt mit dem Hochmeister Paul von Rusdorf (1422–1441). Seinsheim beanspruchte für die Landesmeister aufgrund gefälschter Dokumente ein Kontroll- und Oberaufsichtsrecht über den höchsten Würdenträger des Ordens. 1439 erklärte er Paul von Rusdorf für abgesetzt und sich selbst zum Statthalter des Hochmeisteramtes, unterstützt von König Sigismund, den Reichsfürsten und dem Basler Konzil. Sigismunds Parteinahme überrascht, denn Paul von Rusdorf hatte seine Pläne unterstützt, den Deutschen Orden wieder im Südosten, nun (nach dem Burzenland) im Severiner Banat eine Deutschordensniederlassung zum Schutz gegen die Osmanen aufzubauen. Womit wir bei einer zweiten Verbindung zwischen Schloss Horneck und Siebenbürgen sind, die ins 13. Jahrhundert zurückreicht.

Rusdorfs Nachfolger, Hochmeister Konrad von Erlichshausen (1441-1449), musste das von Seinsheim beanspruchte Aufsichtsrecht anerkennen. Und immerhin war Burg Horneck, zumindest aus Sicht Eberhards von Seinsheim, zwischen 1439 und 1441 sogar als Sitz des Hochmeister-Statthalters der Mittelpunkt des gesamten Deutschen Ordens.

Nach Eberhard von Seinsheim residierten noch folgende Deutschmeister auf Burg Horneck: Eberhard von Stetten (1443-1447, begraben in der Burgkapelle), Jost von Venningen (1447-1454), Ulrich von Lentersheim (1455-1479), Reinhard von Neipperg (1479-1489), Andreas von Grumbach (1489-1498, 1494 vom damaligen römisch-deutschen König Maximilian I. in Löwen zum Reichsfürsten erhoben – Horneck war also zeitweise Fürstenresidenz!), Hartmann von Stockheim (1499-1510, begraben in der Burgkapelle) und Johanns Adelmann von Adelmannsfelden (1510-1515, begraben in der Burgkapelle), Dietrich von Cleen (1515-1526).

Der letzte eigenständige Deutschmeister auf Schloss Horneck war Dietrich von Cleen, der 1515-1526 amtierte und den Sturm der Bauern auf Horneck miterlebte. 1525 wurden beide Ämter unter Walter von Cronberg zusammengelegt, so dass das Problem aus der Welt war. Fortan gab es nur noch einen Hoch- und Deutschmeister.

3. Götz von Berlichingen und die Zerstörung von Horneck im Bauernkrieg (1525)

„Anno domini 1525 bei der Reigiung Herr Ditterich von Cleen von Ostermondag den XVII. dags aprillis bis uff den sontag exaudii [28. Mai] zu rechnen an blibe dis schloss aus forcht der bawern grimmickeitt gantz ode und on ein haupt verlossen stan. Am sondag noch ostern [23. April] warde es von dem hauffen der bawer geblundert und genomen an, am freitag nach quasimodogeniti [28. April] den V. dags maii durch XIIII dorzu verordnthen von bawern in boden verbrennet. […] Dornoch umb den sondag exaudii [28. Mai] name der bavern wüthen mit blut vergissen ein ende.“

Heute noch kündet eine Inschrift über dem ehemaligen Portal der Wendeltreppe von Schloss Horneck, über den härtesten Schlag, der dieses Baudenkmal im Laufe seiner Geschichte getroffen hat – die fast vollkommene Zerstörung.

Burg Horneck vor der Zerstörung im Bauernkrieg. Silberstiftzeichnung (ca. 1515) von Hans Baldung Grien (ca. 1484–1545) im Karlsruher Skizzenbuch, S. 9v, in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Foto im Bildarchiv Marburg, Nr. LR 330/66, Inventarnummer: 4d388

Das hängt gewiss auch mit der Ausbreitung der Hornecker Herrschaft im Neckartal zusammen, über die in der zweiten Folge dieser Reihe berichtet wurde, mit den Abgaben und Diensten, welche die Ordensritter und ihre im Schloss residierenden Deutschmeister von den Gundelsheimer Bürgern und von den Bauern der Umgebung eingefordert hatten. Im Kontext des Bauernkrieges, der 1525 in mehreren Gebieten des römisch-deutschen Reiches ausgebrochen war, sammelten sich Anfang April die Bauern aus dem Neckartal und dem Odenwald unter Jäcklein Rohrbach und verübten zu Ostern (16. April) die „Weinsberger Bluttat“, welche die Bauernerhebung nachhaltig diskreditierte und auch Martin Luther veranlasste, die Schrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“ zu verfassen. Danach übernahm Götz von Berlichingen, der bekannte „Ritter mit der eisernen Hand“, die Führung. Die Hauptmannschaft soll ihm am 30. April in Gundelsheim, in der damaligen Deutschordens-Bannwirtschaft in der Schlossstraße übertragen worden sein. Ob seine Zustimmung mit der Drohung erzwungen wurde, seine benachbarte Burg Hornberg zu zerstören und seiner Familie etwas anzutun, wie Götz später behauptete, oder ob er es freiwillig tat, kann nicht mehr aufgeklärt werden; dass der in seinem Standesdenken befangene Ritter wenig mit den Aufständischen gemein hatte, ist aber sicher.

Angesichts der Weinsberger Untaten, der anschließenden kampflosen Besetzung von Heilbronn, Neckarsulm und anderen Orten in der Umgebung, floh Deutschmeister Dietrich von Cleen mitsamt „Pretiosen“ sowie Teilen der Verteidiger nach Heidelberg und überließ seine Hornecker Residenz ihrem Schicksal, wovon auch in der eingangs zitierten Inschrift die Rede ist. Auch Götz schilderte die Situation in seinen Erinnerungen „Mein Gottfriden von Berlichingen zw Hornberg vhedt vnd handlungen“ ähnlich: Ihm fiel auf, dass Horneck: „khein geschutz hettenn, nit ein buchßenn, das sie khonndtenn ein stein vsser einner maurn schießenn“. Der geflüchtete Cleen aber gab den Gundelsheimern den Befehl, das Gewölbe mit dem Archivgut und den Wertsachen zu sichern, woraufhin diese auf seine hastige Abreise und die versprochene, aber ausbleibende Hilfe aufmerksam machten und berichteten, einiges sei schon am 17. April 1525 über den heimliches Ausgang des Schlosses (den heutigen „Felsenkeller“) entwendet worden, als die ersten Plünderungen begonnen hatten, eine Angabe, die mit den Informationen von der Inschrift vor der Wendeltreppe übereinstimmt.

Inschrift von 1529, in gotischer Minuskel, über dem Portal zur Wendeltreppe des Schlosses, heute im Lesesaal der Siebenbürgischen Bibliothek. Foto: Anneliese Vater.

Die Bauern, berichtet Götz in seinen Memoiren, zogen „dennechstenn vff Hornneckh, vnd namen es ein, onne alle wehr.“ Dass er am 5. Mai mit zwei weiteren Bauernführern angeordnet hatte, die Deutschmeisterburg „bis auf den Grund“ zu zerstören, erfährt man nicht von ihm, wohl aber aus einer erhaltenen Kopie des Befehls selbst. In unserer Inschrift unterlief ein Datierungsfehler, denn der Freitag nach dem Sonntag Quasimodogeniti wäre der 28. April, nicht der 5. Mai (der Freitag nach Misericordia), der korrekterweise anschließend genannt wird. Noch am gleichen Tag wurde Horneck in Brand gesteckt, bis zur Vesperzeit sei alles bis auf drei Türmchen in Flammen aufgegangen, berichtete die Tochter des Ordenskanzlers Dorelin ihrem Vater. Das historisch äußerst wertvolle Ordensarchiv, Kunstgegenstände sowie Urkunden und Wertsachen, die benachbarte Adlige hier in Sicherheit gebracht hatten, gingen für immer verloren.

Kurz danach zog sich Götz auf seine benachbarte Burg Hornberg zurück, leistete nach der Unterdrückung des Aufstandes und einer zweijährigen Haft in Augsburg Urfehde und entging damit der Rache der Sieger. Glorreich war sein Gundelsheimer Auftritt aber mitnichten.

Wappenstein im Innenhof von Schloss Horneck mit der Jahreszahl 1533, die den Abschlulss des Wiederaufbaus markiert. Foto: Anneliese Vater.

Am 17. Mai bereits gab Deutschmeister Cleen dem Hornecker Hauskomtur Georg von Wallenrode den Befehl, die Aufrührer zu bestrafen, Restitution und Schadensersatz für zerstörten Ordensbesitz sowie die Erbhuldigung zu fordern, welche Gundelsheim, Neckarsulm und Stocksberg am 23. Mai auch geleistet haben. Am 2. und 4. Juni schließlich schlugen die Truppen des Schwäbischen Bundes, dem auch der Deutschmeister beigetreten war, die Bauern bei Königshofen und Sulzdorf vernichtend.
Umgehend wurden körperliche und hohe Geldstrafen auch in Gundelsheim und Umgebung verhängt, zudem die Verpflichtung zur Fronarbeit beim Wiederaufbau der Burg Horneck angeordnet. Allein die Deutschordensstadt musste bis 1529 eine Strafzahlung von 1000 Gulden leisten. In einer Rekordzeit von acht Jahren (auf dem Wappenschild im Schlosshof kann man die Zahl 1533 lesen) wurde die zerstörte Burg als Renaissanceschloss wiederaufgebaut. Doch das half wenig, der Deutschmeister verlegt seinen Sitz nach Mergentheim, Horneck büßte seine zentrale Funktion im Ordensgebiet endgültig ein.

4. Das Renaissanceschloss

Das Jahr 1525 war nicht nur für Kommende Horneck, sondern für die Gesamtgeschichte des Deutschen Ordens von einschneidender Bedeutung: Dessen 37. Hochmeister Albrecht von von Brandenburg legte sein Amt nieder, trat zur Reformation über, säkularisierte das Ordensgebiet und wandelte den katholischen Ordensstaat in ein lutherisches Herzogtum um. Am 8. April 1525 legte er in Krakau vor dem polnischen König den Huldigungseid ab und nahm von ihm das „Herzogtum in Preußen“ zum Lehen. Kurz danach anerkannten die Stände auf dem Landtag zu Königsberg das neue Herzogtum und die Annahme der Reformation. Damit ging das seit fast genau drei Jahrhunderten beherrschte Ordensgebiet an der Ostsee mit Marienburg und Königsberg als wichtigste Zentren für den Orden verloren.

Laetatur ob infortunia nostra. Kupferstich von Eberhard Kieser, Lateinisches und deutsches Emblem von Daniel Meisner über den Nieswurz (Helleborus):_ „Ein zerstörer des Friedts bistu,/ Der Erd nichts werther Mensch darzu“, in „Thesaurus philohistoricus, 1624, Band 1, Buch 5-8, Blatt 389.

Mit dieser Umwandlung seines Ordensstaates in ein weltliches, überdies protestantisches Herzogtum fand sich der vom Deutschmeister regierte Ordenszweig im Reich nicht ab. Ein Generalkapitel setzte den 1526 zum 60. Deutschmeister gewählten Walther von Cronberg zum Hochmeister ein, Kaiser Karl V. ernannte ihn 1527 zum „Administrator des Hochmeistertums in deutschen und welschen Landen“, um den Besitzanspruch des Ordens auf das Preußenland aufrechtzuerhalten. Ab 1530 durfte sich Cronberg auch offiziell Hochmeister nennen. Die Verbindung zwischen den beiden Ämtern, die bereits Eberhard von Seinsheim betrieben hatte, wurde später in dem Titel „Hoch- und Deutschmeister“ verkürzt. Die vier blauen Eisenhütlein im Cronbergschen Wappen sind übrigens, ebenso wie das Wappen derer von Horneck, seit der 1538 erfolgten Wappenverleihung durch Cronberg Teil des heutigen Stadtwappens von Gundelsheim.

Die Zerstörung der Burg Horneck im Bauernkrieg 1525 machte die Einrichtung einer neuen Residenz für den Hoch- und Deutschmeister nötig. Sie wurde in einer Rekordzeit von acht Jahren wiederhergestellt, ja, eigentlich als Renaissanceschloss neu erbaut. Wie sah dieses Schloss aus? Genau wissen wir es nicht. Ein Kupferstich von 1624 im „Thesaurus philo-politicus“, den der Dichter Daniel Meisner (1585-1625) und der Kupferstecher Eberhard Kieser (1583-1631) herausgegeben haben (Abbildung 1), dürfte eher eine idealisierte Darstellung des Zustands vor der Zerstörung durch die Bauernkrieger sein, basierend auf einer Zeichnung aus dem „Karlsruher Skizzenbuch“ von Hans Baldung Grien (1484-1545), da nicht davon auszugehen ist, dass die zahlreichen Städte- und Burgenansichten dieses Buches mitten im Dreißigjährigen Krieg vor Ort gezeichnet werden konnten. Auch der Ritter im Vordergrund, ein „Der Erdt nichts werther Mensch“, und die Bemerkung über den „Zerstörer des Friedts“ in einem Gedicht über die sonst positiv konnotierte Christrose weist eher auf das Schicksal hin, das die abgebildete Burg 1525 erlitten hat, nicht auf das neu errichtete Schloss.

Gesamtansicht und Grundriss des ersten Obergeschosses von Schloss Horneck, ca. 1723, von Franz Keller. Aus: Schloss Horneck, Gundelsheim am Neckar. Heimathaus Siebenbürgen. Altenheim – Museum – Bibliothek. Stuttgart: Hilfsverein der Siebenbürger Sachsen „Johannes Honterus“ e.V. 1972, S. 13.

Eher ist davon auszugehen, dass der Grund- und Aufriss des Ordensbaumeisters Franz Keller (1682-1724), der den barocken Umbau eingeleitet hat, das Aussehen nach dem Wiederaufbau von 1525-1533 wiedergibt (Abbildung 2). Die darauf sichtbaren Renaissanceerker lassen darauf schließen, desgleichen die erhalten gebliebenen großzügigen Renaissanceportale zur Wendeltreppe und zur ehemaligen Schlosskapelle, die Inschrift von 1529 und der schöne Wappenstein von 1533 mit den zwei Löwen, die wohl das Ordenswappen hielten. Jedenfalls wurde zwischen 1525 und 1533 So der siebeneckige, 90 m lange und 30 m breite Grundriss mit zwei Innenhöfen und sechs Türmchen erbaut und der erhalten gebliebene 35 m hohe Bergfried in das Ensemble integriert.
Diese beeindruckende Neuanlage zeugt davon, dass man wohl zunächst daran gedacht hat, das Ordenszentrum nach dem Wiederaufbau wieder in Gundelsheim anzusiedeln. Denn bereits im Dezember 1534 fand ein Provinzialkapitel auf Horneck statt, und Walther von Cronberg, der Hoch- und Deutschmeister weilte zumindest oft im Schloss, wo er, z.B. 1539, auch Urkunden ausfertigen ließ. Zudem besuchte kein Geringerer als Kaiser Karl V. zweimal das neue Schloss, 1541 mit einem Gefolge von nicht weniger als tausend Personen, 1546 nochmals. Das lässt meines Erachtens darauf schließen, dass die endgültige Entscheidung, Horneck als Ordensresidenz aufzugeben, erst nach dem Schmalkaldischen Krieg (1546-1547) gefallen ist, der allein in den Ämtern Horneck und Neckarsulm den riesigen Schaden von 90.000 Gulden verursacht haben soll.

Wohl aus strategischen Gründen fiel nun die Wahl auf das wirtschaftlich starke und im verbliebenen Ordensgebiet verkehrsmäßig zentral gelegene Mergentheim. Die unvergessene Beteiligung von Gundelsheimern an der Zerstörung der Burg trug wohl auch zur Entscheidung bei. Das in Rekordzeit wiederaufgebaute Schloss Horneck und damit Gundelsheim verloren für immer ihre zentrale Bedeutung im Ordensgebiet. Kamen bis dahin die Überschüsse der deutschmeisterlichen Kammer Horneck zugute, so flossen sie nunmehr nach Mergentheim, das eine Blütezeit erlebte. Gundelsheim war nur noch Kammerhaus des Deutschmeisters innerhalb der Ballei Franken und unterstand der Landkommende in Ellingen.

Wer lebte nunmehr dauerhaft auf Schloss Horneck? Waren es früher (1513 beispielsweise) neun Ritterbrüder, so sind es nunmehr, nach der Verlegung der Ordensresidenz nach Mergentheim, nur noch zwei, der Hauskomtur und der Trappierer als Wirtschaftsverwalter, außerdem ein Priesterbruder (früher sechs) und Gesinde. Die Ordenskanzlei war samt Personal (Kanzler, Sekretär, Kanzleischreiber) weggezogen.

5. Das Schloss im Wandel

1897 erhielt das Schloss eine neue Bestimmung in seiner Geschichte: Die „Kuranstalt Schloß Horneck GmbH“ baute es zu einem Sanatorium aus. 1899 übernahm Dr. Ludwig Roemheld die ärztliche Leitung. Unter seiner Regie, die geprägt war von eigenen Forschungen und Erkenntnissen – auch hinsichtlich neuer Ernährungstherapien –, gelangte das Schloss schnell zu einem ausgezeichneten Ruf. Das Sanatorium auf Horneck boomte, bis der Erste Weltkrieg eine Zäsur brachte. Doch danach ging es schnell wieder bergauf und die Gästezahl florierte wie zu besten Zeiten. In beiden Weltkriegen diente das Schloss als Lazarett.1946 pachtete dann der Württembergische Landesfürsorgeverband den gesamten Komplex: Schloss Horneck wurde Lungenheilstätte.

6. Das Heimathaus Siebenbürgen

1960 erwarb der Hilfsverein der Siebenbürger Sachsen „Johannes Honterus“ e.V. das Schloss. Der nach dem Reformator der Siebenbürger Sachsen, Johannes Honterus (1498-1549), benannte gemeinnützige Verein war Mitglied im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland. Nach umfangreicher Innenerneuerung wurde im Schloss zunächst ein Altenheim für Siebenbürger Sachsen eingerichtet. Die Siebenbürger Sachsen stammen aus Siebenbürgen (Transsilvanien), seit 1918 dem zentralen Gebiet im heutigen Rumänien und sind nach nunmehr 875 Jahren neben den Deutschbalten die älteste noch existierende deutsche Siedlergruppe im östlichen Europa. Deren Aussiedlung begann im Zuge der Familienzusammenführung infolge des Zweiten Weltkrieges und währte nach Enteignung, Deportation und Zwangsarbeit, Freikauf durch die Bundesrepublik bis in die Gegenwart, wobei der größte Teil 1989/90, nach dem Sturz des Ceaușescu-Regimes in Rumänien, nach Deutschland kam.
Nachdem im Frühsommer 1961 das Schloss wieder instand gesetzt war, zogen in die schönen, praktischen und zum Teil auch umgebauten Räume die ersten siebenbürgisch-sächsischen Senioren ein. Um eine Isolation der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner zu vermeiden, stellte der Hilfsverein Räume für die Siebenbürgische Bibliothek mit Archiv (die heute zum Siebenbürgen-Institut an der Universität Heidelberg gehören) und für das Siebenbürgische Museum zur Verfügung. So wurde das „Heimathaus Siebenbürgen“ für viele Betagte zu einer neuen Heimat.
Im Jahr 2015 musste der Hilfsverein „Johannes Honterus“ leider Insolvenz anmelden. Aus der Insolvenzmasse wurde Schloss Horneck vom Siebenbürgischen Kulturzentrum „Schloss Horneck“ erworben, das Pflegeheim wurde vom diakonisch tätigen Verband „Dienste für Menschen“ übernommen.